NOVEMBERRESTE

 

 

Es war im November als ich das unwahrscheinliche Glück hatte, einen der begnadetsten Deutschen Theaterschauspieler zu erleben. Der Saal war mehr als mäßig gefüllt als Eberhard Esche seinen Heine-Abend mit den Zeilen aus dem Wintermärchen begann …

„Als ich in kalten Novembertagen an Deutschlands Grenzen kam …“
Die Theater, bis zu diesem Zeitpunkt im auch ein Ort kritischer Betrachtung von widersprüchlichen Entwicklungen der DDR, waren wie leergefegt. Die Menschen aus dem „Osten“ war geradezu süchtig nach allem Bunten, Neuen und der damals scheinbar unerschöpflichen Warenwelt. Theater hatte da wenig Platz. Ein Glück für uns, sonst war  man nur sehr schwer an Karten heran gekommen.
Diese ursprünglich neue bunte Welt ist mittlerweile Alltag geworden. Es bleiben die Momente des ersten Eindruckes als Erinnerung, oft verklärend, sehr individuell gefärbt von ganz persönlichen Erlebnissen.
Einer dieser Momente war für mich dieser Heine-Abend mit Eberhard Esche. Ich war verblüfft ob der Aktualität des Textes, was nicht zuletzt an der feinsinnigen Interpretation von Esche lag. Wie beispielsweise Heine in seinem Werk die Pfälzer beschrieb war schon ein Genuß, zumal Einer zu dieser Zeit sehr präsent war.
 
Man war sich schon in gewisser Weise bewusst, dass man Zeitzeuge eines besonderen historischen Abschnittes deutscher und auch europäischer Geschichte war. Aber die Ereignisse vollzogen sich in einem so rasanten Tempo, so dass man kaum Zeit hatte dies auch tief zu verinnerlichen.
 
Die Serie NOVEMBERRESTE ist nun nach knapp 25 Jahren ein Versuch der Spurensuche nach bildlichen Zeugnissen aus dieser Zeit. Momentaufnahmen einer vergangenen kafkaesken Zeit.
Die Serie wird Stück für Stück erweitert. Tips zu Orten an denen weitere Spuren zu finden sind, werden dankbar entgegengenommen.

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